Staatlicher Kapitalhunger: Anleihen sind zu überprüfen!
(12.05.10) Wieso steigen die Zinsen nicht endlich angesichts der überbordenden Staatsdefizite und Gelddruck-Aktionen?
Die Schuldenblase ist noch nicht geplatzt. Die ausstehenden Kredite in Relation zur Wirtschaftsleistung sind in den meisten Ländern nicht zurückgegangen, sondern sogar weiter gewachsen. Das Kreditwachstum hat sich einfach von privater auf die staatliche Seite verlagert und wird durch die überaus lockere Zinspolitik der Notenbanken weiter gefördert. Tragbar ist der Schuldenberg nur dank den immer noch rekordtiefen Zinsen. Steigen die Zinsen jedoch wieder, droht die altbekannte Negativspirale aus Zahlungsausfällen, Konkursen und Rezession.
Die Zinsen werden sich verteuern, wenn die Qualität der Schuldner abnimmt.
Dazu bedarf es keiner Zentralbank. Fallende Bondkurse erhöhen die laufende Marktrendite der schlechten Schuldner. Der Fall Griechenland ist das jüngste Beispiel. Der Fall Argentinien war ähnlich. Dass die Qualität vieler Staatsanleihen schlechter geworden ist, ist unbestritten.
Die Aktienmärkte haben mit der Griechenlandkrise einen Schuss vor den Bug erhalten, haben diesen Dämpfer in den letzten Tagen aber gut weggesteckt. Dennoch darf die ganze Situation nicht verharmlost werden. Denn die Bankenkrise hat im Grunde genommen genau gleich angefangen. Zuerst knickten ein paar kleinere Banken ein, bevor die große Lawine niederging.
Und heute? Bei den Staaten haben wir dieselben Rahmenbedingungen
Wiederum sind die Schuldner von den Ratingagenturen viel zu gut eingestuft. Oder glauben Sie wirklich, dass die faktisch bankrotten USA ein AAA Rating verdient haben? Sogar das Standing von Deutschland wird bezweifelt! Jedes Unternehmen mit derart maroden Finanzen hätte schon längst den Gang zum Konkursrichter antreten müssen!
Die Staaten haben aber einen ganz entscheidenden Vorteil: Sie können den Schuldenberg praktisch beliebig hoch auftürmen. Ein Staatsbankrott ist zwar möglich. Wir gehen aber davon aus, dass das System weiter mit frischem Geld versorgt wird. Die Zeche werden einmal mehr die nachfolgenden Generationen bezahlen. Aber wenn interessiert das schon, schließlich leben die Politiker im Hier und Jetzt und wollen ihre Wiederwahl nicht mit unpopulären Maßnahmen gefährden.
Der Mechanismus ist im Kern simpel: Die Zinsen steigen und führen zu Zahlungsausfällen und Rezession – es droht eine Deflation durch die drückende Last der Schuldenberge – die Notenbanken pumpen wieder mehr Geld in das System - die Deflationsgefahr wird gebannt und die Märkte erholen sich wieder - dann droht wieder Inflation und die Zinsen steigen. Der Ausbruch aus dieser letzten Inflationsspirale gelang erst, als der damalige Chef des FED, Paul Volcker die Leitzinsen auf 20 % anhob und damit der Inflation das Genick brach und die Doppelrezession von 1980 und 1982 einleitete. Von einem solchen politischen Willensakt sind wir heute aber meilenweit entfernt, ja er ist geradezu undenkbar. Die Schuldenlast in Relation zum BIP ist zudem viel höher als Ende der 1970er Jahre.
Auch in diesen Tagen gilt die alte Regel: Je höher die Verschuldung, umso geringer die Schuldnerqualität!
Die Konsequenz daraus lautet: Die Bonität fast aller Staatsanleihen sinkt. Die Anleger verlangen eine höhere Prämie (sprich Zinsen) für Anleihen. Deshalb wird zwar keine Blase platzen, aber nach über 30 Jahren Anleihe-Hausse ist die Zeit fallender Zinsen (seit 1981) demnächst vorbei. Anleihen versprechen heute Sicherheit trotz all den so plausiblen wie düsteren Argumenten dagegen.
Eine ganze Generation von Analytikern und Anleger kann sich einfach nicht vorstellen, dass die Zinsen wieder steigen werden. Ausgerechnet diejenigen, die für ihre Anlagen Sicherheit suchen, sind die größten Investoren in Bonds. Die Anleihe-Quoten erreichen bei vielen Versicherungen bis 80 %. Deutsche Versicherer sind dabei absolute Spitzenreiter. Eine Abstufung der Anleihe-Qualitäten führt über kurz oder lang zu Kursverlusten. Zwischen 15 und 20 % aller Anleihen sind nicht das wert, was draufsteht.
Wer also seine fünf Sinne beisammen hat, kann seinen Schwerpunkt unmöglich länger in Anleihen sehen. Es ist effektiv davon auszugehen, dass viele dieser Papiere in den nächsten Jahren unter Druck geraten, weil die Zinsen steigen und, logisch die Kurse fallen werden. Wie Großanleger dieses Risiko absichern wollen wird eine große Herausforderung.
Wir empfehlen deshalb die Hände von Rentenfonds wegzulassen!
Seit 2000 wurden zwei schwierige Phasen der Wirtschaftsentwicklung durch massiv reduzierte Zinsen repariert. Einmal die Internet - Krise inkl. 9/11 und zum anderen die Finanzkrise inkl. Lehman-Effekt, (ausgelöst durch steigende Zinsen ab 2007). Ohne diese Eingriffe der Notenbanken, gäbe es heute keine so niedrigen Zinsen bzw. so hohe Kurse in den Anleihen. Die Aktienanlage erwies sich im vergangenen Jahrzehnt als ein Zyklusspiel. Für Daueranleger wurde es ein Verlust.
Jede Verschuldungs-Orgie mündet bekanntlich in einem Entzug, wenn wieder mit Sparen begonnen werden muss. In einer Entschuldungsphase nimmt die Qualität der Schulden grundsätzlich ab, wie dies ab 1929 bis Ende der 30er Jahre, bzw. kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in allen Phasen nachzuvollziehen war. Es galt nicht nur für die Kriegsschulden des Deutschen Reichs, sondern auch für die Mehrzahl aller Schulden, die im Londoner Schuldenabkommen geregelt worden sind.
Auch Daves- und Young-Anleihen gehörten dazu, heute klingen nur die Namen und Begriffe anders. Die Aktienmärkte haben in der Talfahrt der Entschuldung genau das Gegenteil gemacht. Der amerikanische Aktienmarkt ist nach dem großen Crash 1929 in den Folgejahren mehr als 350 % gestiegen. Der Grund war nicht nur, dass Aktien billig waren, sondern sie waren die einzige Alternative als dauerhaftes und werthaltiges Investment.
PIMCO, einer der größten Rentenfonds der Welt, hat kürzlich veröffentlicht, dass Anleihepositionen abgebaut werden und die Mittel in neue Aktienfonds verschoben werden. Das erscheint uns clever und weitsichtig. Im Super-Anleihe Jahr 2009 hat die Allianz plus 4,5 % Ertrag aus Kapitalanlagen erwirtschaftet, das ist nicht einmal das Minimum von 5 % um eine auskömmliche Überschussdividende im Lebensversicherungs-Geschäft zu gewährleisten.
Deutsche Lebensversicherungen sind mit die größten Anleihen-Investoren
Die deutschen Versicherer wurden in den letzen zehn Jahren aus den größten Aktienbesitzern zu den größten Investoren in Rentenpapieren. Die Aktienquote hat sich von 28 % auf 3 % reduziert!
Wir gehen von einer dramatischen Wende in der Asset-Allocation aus, der sich auch Versicherungen nicht entziehen können, wollen sie nicht permanent der Entwicklung hinterherlaufen. Wir gehen von einer Zeitenwende aus, raus aus Nominalwerten - rein in Sachwerte, wie Aktien, Gold und natürlich Immobilien.
Der Beitrag stammt von den Experten von Finanzkontor S.L. mit Hauptsitz in Palma de Mallorca und Ihrem Geschäftsführer Christoph Albeck. Weitere Informationen erhalten Sie auch direkt bei: FINANZKONTOR S.L.
Fazit Markus Miller
Ich teile diese Analyse und Einschätzung. Als Abonnent und Leser meines Anlage- und Wirtschaftsmagazins „Kapital und Steuern vertraulich“ erhalten Sie in der kommenden Monatsausgabe (Juni/10) ein ideales Produkt aus dem ETF-Segment, mit welchem Sie direkt von fallenden Euro-Staatsanleihenkursen und steigenden Zinsen profitieren können: www.kapital-und-steuern.com
Markus Miller
Gründer, Geschäftsführer und Herausgeber: GEOPOLITICAL.BIZ