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Aktiv investieren mit ETFs und Trendfolge-Strategien!

(21.10.09) Die starken Kurseinbrüche der jüngsten Vergangenheit (auch mit den darauf folgenden Kursanstiegen) an den internationalen Aktienmärkten machen es deutlich: Heutzutage kann der Anleger nicht mehr darauf vertrauen, dass Aktien langfristig steigen. In früheren Jahren konnte der Anleger davon ausgehen, dass sein breit gestreutes Aktiendepot nach 10 Jahren an Wert gewonnen hatte und sogar noch mehr Rendite einbrachte als mit festverzinslichen Wertpapieren zu erzielen war. In den letzten 10 Jahren war der Aktienmarkt durch zwei dramatische Kurseinbrüche gekennzeichnet, die bei vielen privaten und institutionellen Investoren zu erheblichen Vermögensverlusten geführt haben.

Gemessen am Deutschen Aktienindex (DAX) hat der Anleger nach 10 Jahren mit einer Kauf-Halte-Strategie sogar leichte Verluste eingefahren. Auch für die Zukunft ist mit starken Schwankungen am Aktienmarkt zu rechnen.

Doch was kann der Anleger in einem derartigen Umfeld tun?

Er sollte die Chancen aktiv nutzen und seine Risiken konsequent begrenzen. Für aktive Investoren existieren zwei nachvollziehbare Ansätze, um an den Finanzmärkten Geld zu verdienen.

1. Ansatz „Prognose“

Beim ersten Ansatz versucht der Anleger die Marktentwicklung vorauszuahnen und handelt entsprechend seiner Prognose. Zu diesem Zweck werden beispielsweise fundamentale Daten, wie die voraussichtliche Gewinnentwicklung oder Konjunkturdaten herangezogen. Aber auch die Technische Analyse kann zur Prognose der zukünftigen Marktentwicklung verwendet werden. Dieser Ansatz ist in der Praxis weit verbreitet. Allerdings steht und fällt er mit der Fähigkeit des Anlegers die Zukunft vorherzusagen. Und wer kann das schon?

2. Ansatz „Trendfolge“

Der zweite und jüngere Ansatz ist die „Trendfolge“. Die so genannten „Trendfolger“ versuchen nicht die zukünftige Marktentwicklung zu prognostizieren, sondern warten bis sich ein Trend etabliert hat und springen dann auf den fahrenden Zug auf. Sie bleiben solange investiert bis der Trend wieder gedreht hat. Der Trendfolger verpasst grundsätzlich den Anfang eines Trends und gibt am Ende wieder einen Teil der Gewinne ab. Der Trendfolger zieht seinen Gewinn aus dem Mittelstück eines Trends. Als Trendfolger wird man nie zum Tiefstkurs kaufen und zum Höchstkurs wieder verkaufen. Trendfolger wissen, dass sie die Zukunft nicht vorhersagen können. Deshalb nutzen sie ein einfaches Prinzip: Sie folgen Trends und haben Respekt vor dem Risiko.

Bevor wir uns eingehender mit der Trendfolge beschäftigen, muss der Begriff „Trend“ näher erläutert werden. Als Trend wird eine anhaltende Kursbewegung in eine bestimmte Richtung bezeichnet. Dabei verläuft ein Trend nicht gradlinig in eine Richtung, sondern wird durch Korrekturphasen unterbrochen, also kleineren Bewegungen entgegen der Trendrichtung. Und genau hier liegt eine Herausforderung für jeden Trendfolger, nämlich zu erkennen wann es sich um eine Trendwende handelt. Denn jede Trendwende beginnt mit einer Korrektur und lässt sich erst im Nachhinein einfach erkennen. Daher benötigt jeder Trendfolger einen Indikator, der ihm anzeigt, wann ein Trend gebrochen ist und er agieren muss. Wenn man den Begriff „Trendfolge“ in seine Einzelteile zerlegt, haben wir den „Trend“ als ersten Teil des Begriffs. Nach dem Einstieg benötigt jeder Anleger einen Trend, um Geld zu verdienen, egal welche Methode er anwendet. Gibt es nach dem Kauf keinen Aufwärtstrend kann man nicht zu einem höheren Preis verkaufen. Der zweite Teil des Begriffs „folge“ sagt etwas über die Methode aus, nämlich das der Trendfolger zuerst wartet bis der Trend gedreht hat und anschließend dem neuen Trend folgt.

Doch warum entstehen eigentlich Trends?

Die Börsen reagieren zwar schnell auf Neuigkeiten, die großen Veränderungen finden allerdings über längere Zeiträume statt. Trends entwickeln sich, weil sie eine wachsende Übereinstimmung über zukünftige Preise darstellen und sich erst im Laufe der Zeit ein neues Kursniveau herausbildet, welches von der Mehrzahl der Marktteilnehmer als fair betrachtet wird. Da sich die Anleger nie zu 100% sicher sein können, zweifeln sie daran, ob sie mit ihrer Meinung richtig liegen oder nicht. Aufgrund dieser Unsicherheit dauert es einige Zeit bis sich ein neuer Konsens über das angemessene Kursniveau herausgebildet hat und damit die neue Faktenlage eingepreist ist.

John W. Henry, ein Altmeister der Trendfolge beschreibt es wie folgt: „Unsicherheit schafft Trends und genau die nutzen wir. Auch wenn sich Informationen schneller und besser verbreiten lassen, so hat sich die Fähigkeit der Menschen, Informationen zu verarbeiten noch nicht verbessert. Die Reaktion der Menschen bewegt Kurse und verursacht Trends“ (John W. Henry in Michael Covels Buch: Trend Following).

Die wichtigsten Merkmale einer Trendfolge-Strategie

Anhand eines Beispiels sollen nachfolgend die wichtigsten Merkmale einer Trendfolge-Strategie erläutert und die Ergebnisse mit ein Kauf-Halte-Strategie verglichen werden. Betrachten wir zuerst die Kauf-Halte-Strategie.

Wer am 01.06.1999 10.000 Euro in ein ETF auf den Deutschen Aktien Index (DAX) investiert hatte und nach 10 Jahren wieder ausstieg, bekam 9.711 Euro gutgeschrieben. Von Rendite keine Spur! Der Anleger hat sogar gut 0,29% pro Jahr verloren. Doch am Ende ist es für den Anleger noch glimpflich ausgegangen, wenn man bedenkt, dass sein Investment im März 2003 nur noch 4200 Euro wert war.

Lösung: Exchange Traded Funds (ETFs)

ETFs (Exchange Traded Fund) sind börsennotierter Indexfonds, die die Wertentwicklung eines Index nahezu eins zu eins nachbilden. Ein ETF auf den DAX bildet die gewichtete Wertentwicklung eines Portfolios aus den 30 im DAX enthaltenen Aktien nach. Der Anleger kann mit dem Kauf eines ETFs auf einen Schlag alle Aktien des zugrunde liegenden Index kaufen und damit für eine Streuung seiner Risiken sorgen. ETFs sind aufgrund ihrer passiven Ausrichtung kostengünstig und transparent.

Mit einer einfachen Trendfolge-Strategie soll nun das ernüchternde Ergebnis der Kauf-Halte-Strategie verbessert werden. Es soll nur in Phasen mit starken Aufwärtstrends in das DAXETF investiert werden. Das Geld wird in einem EONIA-ETF geparkt, wenn die Strategie nicht investiert ist. Ein EONIA-ETF bildet die Wertentwicklung des Geldmarktes nach. Der Privatanleger könnte alternativ sein Geld auf einen Tagesgeldkonto parken und sogar noch höhere Zinsen als am Geldmarkt erzielen.

Beispiel: Gleitender Durchschnitt als Strategie Indikator

In unserer einfachen Beispiel-Strategie wird ein 200-Tage-Durchschnitt zur Trenderkennung eingesetzt. Beim 200-Tage-Durchschnitt werden jeweils die letzten 200 Kurse addiert und anschließend durch 200 geteilt. Der 200-Tage-Durchschnitt ist ein Standardinstrument aus der Technischen Analyse, welches häufig zur langfristigen Trendanalyse eingesetzt wird. Die Verwendung eines Durchschnitts führt zur Glättung des Kursverlaufs und filtert zufallsbedingte Schwankungen heraus. Liegt der aktuelle Kurs über dem Durchschnitt, war die Kursentwicklung überdurchschnittlich gut. Liegt der aktuelle Kurs unter seinem Durchschnitt, war die Kursentwicklung unterdurchschnittlich. Der Einstieg erfolgt, wenn der Kursverlauf über seinen 200-Tage-Durchschnitt steigt. Der Ausstieg wird vorgenommen, wenn der Kurs wieder unter seinen 200-Tage-Durchschnitt fällt.

Verluste automatisiert begrenzen!

Zum Schutz vor großen Verlusten wird ein 10%-Stopp als Sicherheitsausstieg verwendet. Sobald sich die Kurse nach oben bewegen, wird auch der Stopp angehoben, so dass dieser immer 10% unterhalb eines einmal erreichten Höchststands liegt. Überschreitet der Stopp das Niveau des Einstandskurses, wird aus der Verlustbegrenzung eine Gewinnsicherung. Hätte der Anleger sich strikt an die oben beschriebenen Regeln gehalten und sein Geld nur dann in DAX-ETFs investiert wenn der Kurs des DAX oberhalb seines Durchschnitts liegt, hätte er in den letzten 10 Jahren aus seinen 10.000 Euro immerhin 17.893 Euro gemacht. Dies entspricht einer durchschnittlichen Rendite von nahezu 6%. Im Vergleich zur DAX-Kauf-Halte-Strategie mit einer Rendite von -0,29% pro Jahr ist das sicher schon ein Fortschritt.

Schaut man sich die Transaktionen der Trendfolge-Strategie im Einzelnen an, ist zu erkennen, dass die Strategie bei starken Aufwärtstrends investiert ist und bei ausgeprägten Abwärtsbewegungen in den Geldmarkt wechselt. Der erste Teil eines Aufwärtstrends wird immer verpasst, da der Kurs erst über seinen Durchschnitt steigen muss. Am Ende wird ein Teil der Gewinne wieder abgegeben, weil der Kurs sich erst nach unten bewegen muss, um wieder unter den Durchschnitt zu fallen oder den Stopp auszulösen. Als problematisch erweist sich die niedrige Trefferquote von 25%, von 20 Transaktionen wurden nur 5 mit Gewinn abgeschlossen. Am Ende kam trotzdem ein positives Ergebnis heraus, weil die Gewinne um ein Vielfaches höher ausgefallen sind als die Verluste. Dass wenige große Gewinne vielen kleinen Verlusten gegenüberstehen ist typisch für Trendfolge-Strategien und macht es aus psychologischer Sicht für viele Anleger schwierig diese Art von Strategien diszipliniert in die Praxis umzusetzen. Die Mehrzahl der Fehlsignale ist in Seitwärtstrends aufgetreten, in denen der Kurs um seinen Durchschnitt pendelt.

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Risiko: Seitwärtsphasen

Ausgeprägte Seitwärtsphasen bereiten Trendfolge-Strategien grundsätzlich Probleme. Um die negativen Auswirkungen zu mildern, wird ein 2%-Schwellwert eingeführt, das bedeutet, dass der Einstieg erst erfolgt, wenn der Kurs den Durchschnitt um mehr als 2% übersteigt. Der Ausstieg erfolgt analog erst dann, wenn der Kurs den Durchschnitt um mehr als 2% unterschreitet. Nach der Einführung dieser Zusatzbedingung hat sich das Ergebnis weiter verbessert. Aus 10.000 Euro wurden nun 22.187 Euro, was einer Rendite von rund 8,3% p.a. entspricht. Diese Maßnahme hatte zur Folge, dass die Trefferquote von 25% auf 50% stieg, weil viele kleine Fehlsignale herausgefiltert wurden. Dadurch sank auch die Anzahl der Transaktionen von 20 auf 8.

Mit acht Umschichtungen in 10 Jahren ist diese Strategie sicher nichts für „Vieltrader“, aber sie zeigt, dass auch mit begrenztem Aufwand ein beachtliches Ergebnis erzielt werden konnte. Selbstverständlich können Trendfolge-Strategien auch in kurzfristigen Zeitrahmen eingesetzt werden. Allen Trendfolge-Strategien ist gemein, dass sie eine langfristige Perspektive (Ausdauer) und Disziplin bei der Umsetzung erfordern.

Praxis Empfehlungen

Normalerweise handeln Trendfolger rein mechanisch nach festen, vorab definierten Regeln, welche sie mit Hilfe von Computerprogrammen intensiv testen, bevor sie danach ihr Geld oder das Geld ihrer Kunden investieren. Grundsätzlich sollte der Anleger Trendfolge-Strategien nicht nur auf einen Markt, sondern auf eine Vielzahl von Märkten anwenden. Auch wenn das Investment in einen Index, wie den DAX schon eine gewisse Risikostreuung bedeutet, ist zu empfehlen weitere, möglichst unabhängige Märkte einzubeziehen. Hier bieten sich zum Beispiel weitere Länderindizes, Branchenindizes, aber auch Edelmetalle wie Gold, Silber und Platin an.

Das sorgt für mehr Möglichkeiten einen Trend zu „erwischen“ und führt zu einer stabileren Wertentwicklung des Gesamtportfolios. In diesem Zusammenhang muss auch noch das Money-Management eingegangen werden, welches wir in unseren Beispielstrategien (sträflich) vernachlässigt haben. Damit Trendfolger auch mehrere Verlustgeschäfte in Folge unbeschadet überstehen können, gehen sie immer nur ein niedriges Positionsrisiko von weniger als 2% ein. Das bedeutet, dass bei jedem Fehlsignal, und die sind bei Trendfolgern nicht gerade selten, maximal 2% des Kapitals eingebüsst werden. Um die Stückzahl des zu erwerbenden Wertpapiers zu ermitteln, kann der Anleger beispielsweise 2% seines Kapitals durch die Differenz aus dem aktuellen Kurs und dem Stopp teilen. Professionelle Trendfolge-Fonds gehen deutlich niedrigere Positionsrisiken ein.

Grundsätzlich sollte der Anleger nicht nur die Rendite im Auge haben, sondern auch das Risiko in seine Überlegungen einbeziehen. Eine Möglichkeit das Risiko abzuschätzen ist beispielsweise, sich die Rückschläge in der Wertenwicklung seines Investments oder seiner Strategie anzuschauen.

Diese Recherche stammt von Lothar Eller, unserem GEOPOLITICAL.BIZ-Netzwerkexperten und Geschäftsführer der Vermögens-Manufaktur aus Bad-Zurzach in der Schweiz.

Ihr

Markus Miller
Gründer, Geschäftsführer und Herausgeber:
GEOPOLITICAL.BIZ 

BUCH-TIPP: The ETF Trend Following Playbook: Profiting from Trends in Bull or Bear Markets with Exchange Traded Funds

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