Zu meinem Beitrag "Rechtssysteme statt Steueroasen" habe ich sehr viel positives Feedback bekommen, darum möchte ich heute einmal diese Thematik noch weiter ausführen. Schon lange vor der derzeitigen Steueroasendiskussion habe ich diese Philosophie und Strategieempfehlung übrigens in meinem Buch „Geopolitische Vermögenssteuerung“ publiziert.
Die Souveränität eines jeden Staates erlaubt es, seine rechtlichen und bürokratischen Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Betätigung seiner Bevölkerung zu definieren.
Ebenso korreliert damit die Berechtigung eines jeden Teilnehmers dieses Wirtschaftsraumes seine Geschäftsaktivitäten darauf zu adaptieren und auszurichten. Dieses Grundrecht einer freien Volkswirtschaft und eines freien Marktes besteht im regionalen Bereich ebenso wie im internationalen Rahmen.
Outsourcing durch Offshoring und Nearshoring
Nicht nur in den Medien wird das Thema Outsourcing (u.a. Verlagerung von Arbeitsplätzen, Dienstleistungen, Produktionsprozessen und Produktionsstandorten ins Ausland) kontrovers diskutiert. Mit Staunen und Sorgen zugleich werden beispielsweise die Auswirkungen kommentiert, die unsere Arbeitsmärkte heimsuchen, wenn wieder einmal ein Großkonzern Bereiche seiner Produktion nach Asien verlagert (Offshoring) oder in östliche Länder wie Slowenien, Tschechien, Lettland und Weißrussland (Nearshoring) welche äußerst attraktive Rahmenbedingungen bieten.
Jeder Industriebereich kann von diesen Entwicklungstendenzen ein Lied singen. Allein die Tatsache, dass mittlerweile auch der Dienstleistungssektor mit aller Macht von diesen Trends erfasst wird, mag neu und herausfordernd zugleich sein und hier bewahrheitet sich was wir eigentlich längst wissen:
Der Zug der Entwicklung in allen Lebens- und Geschäftsbereichen fährt heute schneller als je zuvor. Wir können uns ihm zwar in den Weg stellen, bremsen werden wir Ihn dadurch aber nicht. Somit gilt es alles dafür zu tun, auch oder gerade im Vermögensmanagement, diesen Zug nicht zu verpassen.
Der Wettlauf um die besten Plätze (Standorte) mag mit harten Bandagen geführt werden, doch es werden auch Instrumente (Dienstleistungen in fremden Ländern), innovative Ideen (Produkte und Gesellschaftsformen) und weitere attraktive Rahmenbedingungen (Know-How, auch Steuern, Geografische Lage, Rechtssicherheit usw.) offeriert, wie der eigene Anschluss sichergestellt werden kann.
Flexibilität und die Bereitschaft umzudenken und neue Wege zu beschreiten, sind häufig die höchsten Hürden, die es dabei zu überwinden gilt. Der Rest (nämlich attraktive Alternativen und Lösungen) werden bereits reichhaltig und vielfältig offeriert.
Investitionen im Ausland = Streuung = Risikomanagement
Outsourcing im Finanzbereich bedeutet also die Auslagerung von Kapital und Vermögensmanagementprozessen in andere Länder in erster Linie aus Risikomanagementüberlegungen. Durch die Verteilung von Vermögenswerten auf mehrere Länder mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen und geografischen Lagen, sowie differierenden Gesetzgebungen und Rechtssprechungen sowie verschiedenen Banken und Vermögensverwaltern, setzt man ein optimiertes und zukunftsfähiges Vermögensmanagement endgültig in die Praxis um.
Im Finanzbereich mag die Vokabel Nearshore durchaus auch weiterhin relativ neu sein, ihr Inhalt ist es jedoch aus meiner Sicht nicht.
Im Bereich des internationalen Vermögensmanagements wird derzeit hauptsächlich unterschieden zwischen den beiden Begrifflichkeiten „Onshore“ und „Offshore“, wobei die wörtliche Übersetzung „an der Küste“ bzw. „vor der Küste“ bedeutet.
Man spricht beispielsweise vom Onshore Private-Banking oder von der Offshore Vermögensanlage. Neuerdings auch vom Cross-Border Onshore Private Banking, weil die Banken wollen ja steuerehrliche Modelle umsetzen. Oftmals werden die beiden Begrifflichkeiten auch gleichgesetzt mit „Onshore = Steuerehrlich beziehungsweise deklarierte Vermögenswerte“ und „Offshore = Steuerneutral beziehungsweise undeklarierte Vermögenswerte“ oder direkter gesagt – Schwarzgeld.
Diese triviale Definition deckt sich mit den Zielsetzungen und den Ansprüchen eines global und international agierenden Investors natürlich in keinster Weise. Darüber hinaus bieten Unterschiedliche Jurisdiktionen natürlich weit mehr Vorteile als rein steuerliche Standortfaktoren.
Die Abgrenzung der Begrifflichkeiten „Onshore“, „Nearshore“ und „Offshore“ sollte aus meiner Sicht rein aus geographischen Gesichtspunkten aus betrachtet werden, wobei auch hier die Prämisse gilt, der Parameter für die Definition ob „Onshore“, „Nearshore“ oder „Offshore“ ist immer der Hauptwohnsitz bzw. das Steuerdomizil des Anlegers. Für einen Deutschen mit Heimatwohnsitz BRD ist Liechtenstein oder Österreich aus meiner Sicht also natürlich „Nearshore“ aufgrund der geographischen Distanz und die Karibik „Offshore“. Für einen Franzosen mit Wohnsitz auf den Bahamas ist allerdings Panama „Nearshore“ und Liechtenstein „Offshore“
Definitionen:
ONSHORE
Onshore bezeichnet die Veranlagung, bzw. die Auslagerung, Vergabe und Streuung von Vermögenswerten im eigenen Land. Dieses definiert sich durch das Steuerdomizil. (Steuerdomizil Deutschland -> Anlage in Deutschland oder Steuerdomizil Bahamas -> Anlage auf den Bahamas)
NEARSHORE
Nearshore bezeichnet die Veranlagung, bzw. die Auslagerung, Vergabe und Streuung von Vermögenswerten in Länder, welche geografisch dem Steuerdomizil nahe sind, aber andere Rahmenbedingungen haben. (Steuerdomizil Deutschland -> Anlage in Österreich oder Steuerdomizil Panama -> Anlage auf den Bahamas)
OFFSHORE
Offshore bezeichnet die Veranlagung, bzw. die Auslagerung, Vergabe und Streuung von Vermögenswerten in entfernte Länder, welche geografisch dem Steuerdomizil weit entfernt sind (z.B. anderer Kontinent) und andere Rahmenbedingungen aufweisen. (Steuerdomizil Deutschland -> Anlage Cayman Islands oder Steuerdomizil Bahamas -> Anlage in der Schweiz)
Fazit
Genauso wie im Bereich der klassischen, quantitativen Asset-Allokation, der Auswahl der Anbieter und der Rechtsformen sollte abschließend auch im Bereich der Standorte/Bankplätze (Jurisdiktionen, Rechtsräume) eine sinnvolle und individuell auf den Investor abgestimmte Diversifikation erfolgen.
GEOPOLITICAL.BIZ: Auswandern | Leben + Arbeiten im Ausland | Steuern | Risikomanagement | Wohnsitzverlagerung | Vermögensschutz | Vermögenskontrolle | Geopolitische Vermögenssteuerung by Markus Miller