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Achtung! - Melkkuh Privatkundengeschäft

Viele Banken haben sich im Zuge der Internationalen Finanzkrise erheblich die Finger verbrannt. Vor allem im Bereich Investment Banking. Hier wollten einige Banken mitspielen, hatten aber kaum Erfahrungen oder zumindest risikoadjustierte Strategien. Das schlimme ist allerdings: nicht nur die Finger wurden verbrannt, es wurde vor allem Eigenkapital in gigantischem Ausmaß verbrannt. Peter Kurer, der nach Marcel Ospel neue und mittlerweile schon wieder ehemalige Verwaltungsratspräsident der stark angeschlagenen Schweizer Grossbank UBS hat es aus meiner Sicht ganz gut und ehrlich auf den Punkt gebracht, indem er in einem Interview sagte: „man wäre im Zuge der UBS-Wachstumsstrategie oftmals so vorgegangen, als hätte man die Bremsen ausgebaut“. Aber was passiert nun? Reduzieren die Banken ihren Risikoappetit, oder besser gesagt ihr bestreben nach hohen Renditen im Investment Banking und adaptieren beziehungsweise optimieren sie ihre Risikomodelle?

NEIN, das Privatkundengeschäft wird zur Melkkuh!

Aus meiner Sicht schlägt das Pendel in den Strategien vieler Banken nun komplett in die andere Richtung. Man zieht sich teilweise komplett aus dem Investment Banking zurück und focussiert sich auf das Private Banking, die Vermögensverwaltung oder das Privatkundengeschäft.

 

Scherzbank: Die politische, staatlich fusionierte Beraterbank – Commerzbank

Bei der Commerzbank und der mittlerweile integrierten Dresdner Bank wird aus meiner Sicht der dramatische System-Defekt am besten deutlich. Mit Steuergeldern vom Staat gerettet und somit eigentlich dem Steuerzahler verpflichtet. Aber woher soll das Geld kommen in der Zukunft? Ja klar, wieder vom Steuerzahler. Dem steuerzahlenden Bankkunden. Das ganze lässt sich übrigens belegen. Viele freuen sich derzeit, dass es den Banken wieder besser geht. Der aus meiner Sicht geistig vollkommen dechefrierte Commerzbank Chef Martin Blessing bestätigt dies durch seine Aussage, dass die Commerzbank im Privatkundengeschäft demnächst eine Rendite von 30%! einfahren will. Das ist genauso überheblich wie ein Eigenkapital-Renditeziel von 25%, welches der Kollege Ackermann von der Deutschen Bank angestrebt hat.

Vor allem die UBS hat doch gezeigt wie man das „am besten“ macht. Auf 3 Schweizer Franken Eigenkapital kamen – in Zeiten des Größenwahns - teilweise 97 Schweizer Franken Fremdkapital. Allein der Handelsbestand der UBS war teilweise 20fach so hoch wie das Eigenkapital! Jeder Privatanleger hat in seinem „Handelsbestand“, also dem Wertpapierdepot einen bestimmten Beleihungswert, in der Regel zwischen 30 und 80 Prozent, je nach Produkt. Warum eigentlich so wenig, wenn die Bank sich selbst einen Beleihungswert von 2.000 Prozent gibt?

Ja wenn es dann gut läuft, sind diese Renditevorstellungen aufgrund der Hebeleffekte im Investment-Banking kein Problem. Wenn es schief geht und das Risikomanagement auch noch versagt, steht allerdings die Bank vor dem Abgrund. Aber dann kommt ja der Bundesadler wie wir wissen.

Aber mir ist jetzt nicht klar, wie das im Privatkundengeschäft funktionieren soll. Jedenfalls nicht in dieser Dimension wie es der liebe Herr Blessing beispielsweise vorhat! Die Bilanz kann man natürlich einfach wachsen lassen durch Fremdkapitalaufnahme, welches dann die Eigenkapitalrendite deutlich erhöht. Oder aber das Eigenkapital natürlich komplett vernichtet. Allerdings davon hat man sich ja - hoffentlich - verabschiedet.

 

Aber wie will man im Privatkundengeschäft das nun erreichen?

Ich befürchte ganz einfach durch einen Hebel nicht mehr auf ein abstraktes, sondern ein menschliches Gut. Also auf den eigentlichen Kunden was aus Bankensicht einer Kundenrentabilisierung entspricht. Das bedeutet für mich im Fall der Commerzbank ganz klar: Ein Bankkunde der Commerzbank hat nicht nur diesen Laden durch seine Steuergelder gerettet, nein jetzt soll er ihn durch seinen Spesen und Gebühren auch wieder rentabel machen.

Die große Gier – Wer schützt Bankkunden vor den Banken?

Die große Gier heißt die ZDF-WISO Dokumentation, welche vor kurzem ausgestrahlt wurde. Diese Gier – ganz nach meiner Ansicht – auf das Vermögen der vielen kleinen Bankkunden, welche vor der Finanzkrise von den Investmentbanken verachtend belächelt wurden. Nun werden diese Bankkunden zur neuen Zielgruppe. Für mich ist also die Aussage schon legitim: Die Regierung rettet zwar die Banken, wer rettet aber die Bankkunden vor Finanzdienstleistern (nicht nur Banken!), welche nun versuchen das Privatkundengeschäft auf Kosten der Kunden zu rentabilisieren.

Den sehr empfehlenswerten Film finden Sie unter folgendem Link:

+ Die große Gier der Banken

Mein Fazit

Der Bericht ist aus meiner Sicht kein undifferenzierter Pauschalveriss der Finanzbranche, sondern sollte wirklich in seinen Teilaussagen ernst genommen werden. Vor allem natürlich von Anlegern. Das bedeutet einfach, ein Bankkunde darf sich eben nicht blenden lassen vor den gesetzlichen „Anlegerschutz-Verbesserungen“ und Versprechungen, sondern muss genau hinschauen was ihm angeboten und verkauft wird. Aus meiner Sicht noch mehr als vorher!

 

Ich warne ausdrücklich davor – und die ZDF Reportage verdeutlicht dies zumindest in Teilbereichen – nun pauschal sogenannte „bankenunabhängige“ Berater - vor allem jene, welche für klassische Strukturvertriebe wie OVB, AWD, DVAG und durchaus auch MLP tätig sind - nun als bessere Alternative zum Bank-Berater anzusehen. Das sind für mich in vielen Fällen keine „bankenunabhängigen“ Berater, sondern Vermittler und Vertriebler meist ohne ganzheitliche und fundierte Beratungskompetenz. Also selbsternannte “Vermögensberater” oder “Finanzoptimierer” unter einem Haftungsdach.

Privatanleger laufen dabei Gefahr vom Regen in die Traufe zu Kommen. Es kommt auch hier ganz entscheidend auf die Person des Beraters an und hier gilt ganz pauschal: Gute und schlechte, kompetente und inkompetente, charakterstarke Berater oder profitorientierte Vertriebler gibt es bei allen Finanzdienstleistern. Aus meiner Sicht kommt es weniger darauf an die richtige Bank zu suchen - beispielsweise nach einer „Testliste“ - sondern den richtigen Berater zu finden. Diesen finden Sie aber in keiner Liste, sondern Sie müssen selbst tätig werden und mit vielen sprechen. Je länger und intensiver, desto besser.

Für mich ist und bleibt die effizienteste Lösung, welche das Fehlerpotential in der Auswahl eines Beraters deutlich reduziert die provisionsunabhängige Honorarberatung. Diese kann und wird auch zunehmend von Banken angeboten. Wenn nicht, dann suchen Sie sich eine Bank, welche honorarberatend tätig ist. Die Auswahl wird – gerade aufgrund des steigenden Wettbewerbsdrucks und der Aufklärung von Privatanlegern – immer größer. Das ist für Kapitalanleger als Verbraucher wenigstens eine erfreuliche Entwicklung.

Ein Blick nach England – Abschaffung der Provisionsberatung!

Interessant, wie beispielsweise unsere “Nachbarn von der Insel” mit derartigen Problemen umgehen. In England wird es demnächst keine Provisionsberatung mehr geben. In einer von der Aufsichtsbehörde Financial Services Authority herausgegebenen Stellungnahme heißt es, dass Finanzberater ab Ende 2012 keine Provisionszahlungen von Produktgebern mehr erhalten dürfen. Stattdessen sollen Berater künftig eine Art „Vorabgebühr“ mit ihren Kunden vereinbaren, die klar getrennt sein soll von den Kosten der verkauften Produkte.

Wo ist eigentlich der Helmi für die Finanzbranche?

Sie kennen ja vielleicht noch die alte Straßen-Verkehrserziehungssendung „Helmi“. Der kleine weiße Außerirdische “Helmi” zeigte Kindern übers Fernsehen, wie man sich im Straßenverkehr richtig verhält und was man auf keinen Fall machen darf. Karli Katastrofsky ist dort derjenige, der alles falsch macht und ohne die Hilfe von Helmi schon oft in Unfälle verwickelt worden wäre. Helmis Leitspruch war “Schau genau”!

Genau das kann ich Ihnen auch raten, “Augen auf, Ohren auf, weil ein Helmi für die Finanz- und Bankenbranche eben noch lange NICHT da ist! Aber dafür gibt es Millionen von Karli Katastrofskys im Anlegerbereich und Tausende (ich hoffe nicht Hunderttausende) davon auch im Beraterbereich!

 



Ihr

Markus Miller
Gründer und Herausgeber GEOPOLITICAL.BIZ
 

 

GEOPOLITICAL.BIZ: Auswandern | Leben + Arbeiten im Ausland | Steuern | Risikomanagement | Wohnsitzverlagerung | Vermögensschutz | Vermögenskontrolle | Geopolitische Vermögenssteuerung by Markus Miller