
Bankgeheimnis und Öl - Was die Schweiz von Dubai lernen muss!
Wenn der Wüste das Öl ausgeht - Kein Problem für die Araber! Vor kurzem war ich wieder einmal in den Vereinigten Arabischen Emiraten und auch der kürzlich gesendete FocusTV Bericht zum „Bauboom” in Dubai hat mir nun einmal wieder klar gemacht, wie gezielt die Scheichs sich doch vorbereiten auf das Ende Ihrer derzeitigen Haupteinnahmequelle. Das Erdöl.
Wie lange reichen die Erdölvorräte eigentlich noch?
Weltweit verbrauchen die Menschen zirka 84 Mio. Barrel Erdöl am Tag (1 Barrel entspricht 159 Liter). Bliebe es bei diesem täglichen Bedarf, würden die heute nachgewiesenen Weltölreserven in Höhe von 1.200 Mrd. Barrel noch rund 40 Jahre reichen, haben Forscher der Technischen Universität Berlin ausgerechnet. Allerdings hat der Verbrauch allein in den vergangenen zehn Jahren jährlich um rund 3 Prozent zugenommen. Ein knappes Viertel der Nutzung entfällt derzeit auf die USA, 10 Prozent auf China. Deutschland liegt auf Platz sechs der Erdölverbraucher. 1972 kam die Welt noch mit rund 50 Mio. Barrel Öl am Tag aus.
ÖL wird länger halten als das Schweizer Bankgeheimnis
Die Emirate am Golf haben schon lange erkannt, dass Ihre derzeitige Haupteinnahmequelle eine endliche Ressource darstellt. Sie bereiten sich mit innovativen Maßnahmen schon lange auf die Zeit nach dem Öl vor. Der Tourismusbereich und die Ansiedelungen - vor allem von Internationalen Unternehmen - belegen, dass dieser Wandel heute schon mit großem Erfolg vorangeht. Auch wenn ich glaube dass es durchaus zu einer Blase und Übertreibungsphase kommen kann. Jeder 6. Kran auf der Welt steht derzeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Für mich ist immer ein Kontraindikator der Turmbau. Nicht der Turmbau zu Babel, sondern das Rennen um das aktuell höchste Gebäude der Welt.
Kontraindikator - Fertigstellung des höchsten Gebäudes der Welt
Der Burj-Tower in Dubai befindet sich noch immer im Bau. Seit Juli 2007 ist dieser Wolkenkratzer aber bereits das höchste Gebäude der Welt. Das fertige Hochhaus, in dem sich ein Hotel, Geschäfte, Büros und Appartements auf rund 160 Stockwerke verteilen, soll über eine Geschossfläche von insgesamt vier Millionen Quadratmetern verfügen.
Viele Länder die einmal den Titel tragen durften „das höchste Gebäude der Welt zu besitzen” sind jedoch nach diesen Übertreibungsphasen hart gelandet. Trotz allem Optimismus den ich für Dubai und dessen Entwicklung hege, glaube ich auch, dass es dort für einige Spekulanten mittelfristig ein durchaus böses erwachen geben wird.
Dubai, Abu Dhabi oder Bahrein sind Bankplätze für die Zukunft
Unabhängig vom Immobilienboom glaube ich, dass Dubai langfristig ein attraktiver Bankplatz wird. Die hohen Ölpreise und die damit verbundenen Erträge lassen gerade die Schaffung eines attraktiven Investitionsklimas leichter erreichen. Auch gerade wir im Westen können uns im Bereich der Bereitstellung attraktiver Rahmenbedingungen für Investitionen durchaus etwas abschauen.
Wenn der Schweiz das Bankgeheimnis ausgeht – Was dann? Was hat das jetzt mit der Schweiz und deren Bankgeheimnis zu tun?
Dubai exportiert momentan teures Öl, was eines Tages nicht mehr möglich sein wird und quersubventioniert beziehungsweise finanziert damit seine Zukunft als Wohnsitz-, Firmensitzland, Tourismusstandort und Bankplatz.
Ist die Schweiz vom Bankgeheimnis so abhängig wie Dubai vom Öl?
Die Schweiz lebt momentan in Teilbereichen noch sehr stark von Ihrem Bankgeheimnis, was aus meiner Sicht eines Tages auch nicht mehr möglich sein wird. Die Liechtenstein Affäre hat dieser Thematik noch eine zusätzliche Dynamik beschert und der Druck gerade auf europäische Länder wie Andorra, Liechtenstein, Monaco, Österreich, Luxemburg oder gerade die Schweiz wird deutlich zunehmen.
Die Europäische Zinsbesteuerung wird weiter verschärft werden
Die europäische Zinsbesteuerungsregelung sieht vor, dass jedes Mitgliedsland die Vermögenserträge von Ausländern dem jeweiligen Heimatstaat meldet. Wirklich jeder Mitgliedstaat? Nein, noch nicht jedenfalls. Kleine Staaten die von diesem Wirtschaftszweig leben wie Österreich, Luxemburg und Belgien setzten Ausnahmen durch, neben den Drittstaaten wie die Schweiz, Andorra oder auch Liechtenstein.
Wer hats erfunden - Die Schweizer?
Anstatt Kontrollmitteilungen zu verschicken, ziehen Banken aus diesen Ländern von den Zinseinkünften ihrer Kunden eine Quellensteuer ab, welche sich ab Juli nun von 15% auf 20% erhöht. Aber selbst wenn die Steuer 100% wäre, dann würde das bei der derzeitigen Regelung und den Rahmenbedingungen auch kein Problem sein. Nur uninformierte Anleger bezahlen derzeit diese Quellensteuer, da es unzählige Ausnahmen oder Umgehungsprodukte gibt. Eine detaillierte Auswertung zu dieser Thematik finden Sie im Übrigen in unserer Kapital & Steuern vertraulich Themenausgabe Spezial 4/2007 „Internationale Bankplätze”.
Die Schweiz muss versuchen ihr Bankgeheimnis zu exportieren!
Was meinen Sie, warum gerade Schweizer und Liechtensteiner Banken beispielsweise auf den Bahamas, Panama, den British Virgin Islands, Dubai, Bahrein, Abu Dhabi, Labuan, Singapur, Paraguay, Uruguay oder Hong Kong Auslandsniederlassungen gegründet haben? Weil Sie genau wissen dass Ihr Wert “Bankgeheimnis in der Schweiz” ein Rohstoff ist, dessen Zeit begrenzt ist. Genauso wie beim Öl, nur kürzer aus meiner Sicht. Die Schweiz muss also einerseits die Zeit die ihr noch verbleibt nutzen, um ihr Bankgeheimnis zu exportieren und zum anderen alternative - grenzüberschreitende und steuerkonforme - Dienst- und Servicekonzepte aufzubauen.
Onshore in der Werbung, Offshore im Abschluss!
Allerdings die Servicekonzepte sollten eben nicht so sein wie bei manchen - aus meiner Sicht „unintelligenten” - Banken. Nämlich pseudo Onshore (steuerkonform) in der Kommunikation und Werbung bzw. Akquisition und Offshore (steuerneutral) im Abschluss und der Beratung. Vor allem in Österreich mit seinen Bankplätzen Jungholz, Kleinwalsertal, Wien oder auch dem Salzburger Raum, sowie im Prinzip ganz Westösterreich gibt es zu dieser Thematik einige schwarze Schafe, aber eben auch viele Gute und empfehlenswerte Banken.
Beispielsweise die aus meiner Sicht vor kurzem zu unrecht an den Pranger gestellte Volksbank Vorarlberg (Volksbank Kleinwalsertal, Volksbank Liechtenstein, Volksbank Bodensee (Schweiz)). Leider eben aber auch einige Banken die auf den „steuerneutralen” Kunden aus sind, weil mit diesem weit mehr zu verdienen ist. Ich habe ganz aktuell hier wieder einmal einen Test im Hinblick auf die steuerlichen Aussagen von Bankberatern aus Österreich, Liechtenstein und der Schweiz gemacht mit teilweise erschreckenden Ergebnissen. Diese Strategien werden aus meiner Sicht keine Zukunft haben.
Warum wird beispielsweise Dubai für die Schweizer Banken so interessant?
Das Dubai International Financial Centre (DIFC) ist eine 44 Hektar große Freihandelszone in Dubai und ein Zentrum für internationale Finanzdienstleister. Es liegt zwischen den Zeitzonen der Finanzzentren Hongkong und London und bedient den größten neuen Wachstumsmarkt für Finanzdienstleistungen.
Die logistischen, regulativen und strategischen Rahmenbedingungen sind eine ideale Ergänzung der jahrzehntelangen Fachkompetenz im Schweizer Private Banking.
Dubai wächst weiter im Tourismus und Finanzbereich!
Gerade das rasante Wirtschaftswachstum von Dubai lockt internationale Großbanken an den Golf. Von 2004 bis heute haben weit mehr als drei Dutzend internationale Finanzdienstleister im neuen Bankenviertel von Dubai Niederlassungen eröffnet, darunter Riesen wie Morgan Stanley, Merrill Lynch, Credit Suisse oder die Deutsche Bank. Im Januar 2007 hat auch die Allianz eine Niederlassung im Dubai International Financial Center (DIFC) eröffnet. Weitere Großbanken haben sich angekündigt oder sind mittlerweile ebenfalls bereits vor Ort, unter anderem HSBC, Goldman Sachs, Lehman Brothers oder Japans Sumitomo Mitsui.
Auch Liechtensteinische Banken wie der Marktführer LGT in Bahrein oder die VP Bank in Dubai sind mittlerweile in diesen Rechtsräumen und auf diesen Bankplätzen vertreten.
Die Parallelen der Wüste zu den Bergen
Übrigens es gibt ein interessantes Buch von Matthew Simmons mit dem Titel „Twilight in the Desert”. Dieses Buch gibt es auch auf Deutsch unter dem Namen „Wenn der Wüste das Öl ausgeht - Der kommende Ölschock in Saudi-Arabien - Chancen und Risiken“.
Ich denke einmal viele Schweizer Banken und involvierte Beratungsgesellschaften arbeiten gerade an Studien die man ebenfalls genauso übersetzen könnte: „Wenn der Schweiz das Bankgeheimnis ausgeht - Der kommende Konjunkturschock in der Schweiz - Chancen und Risiken”.
Die Schweiz bleibt dennoch der Bankplatz Nr.1 in Europa
Für mich bleibt die Schweiz dennoch noch für längere Zeit der Bankplatz Nr. 1 in Europa. Meine Ansichten zu dieser Thematik finden Sie im Übrigen in meiner Themenspezial Sonderausgabe Nr. 4/2007, welche Ihnen als Abonnent von Kapital & Steuern vertraulich im Downloadarchiv zur Verfügung steht.
Wenn in Ihrem Leben übrigens irgenwann etwas auszugehen scheint - von der Liebe bis zum Job - denken Sie daran: Machen Sie es wie die Araber und schauen Sie sich frühzeitig nach Alternativen um! Eines wird Ihnen sicher eines Tages ausgehen, nämlich Ihr Leben. Auch daran - Stichwort Erbschaftsteuerreform - sollten Sie frühzeitig denken.
